Gruppe Magma – Die KPD und der Nationalismus

Die KPD in der Weimarer Republik konnte vermutlich nicht ahnen, daß faschistisches Gedankengut in Deutschland auf dermaßen breite Zustimmung in der Bevölkerung stoßen würde. Dennoch mutet der nahezu unerschütterliche Glaube der KPD an revolutionsbereite Volksmassen angesichts der realen Entwicklung befremdlich an. Der zunehmenden autoritären Entwicklung in der Weimarer Republik wurde schließlich durch die offene faschistische Diktatur die Krone aufgesetzt. Den Nationalsozialismus jedoch interpretierte die Partei stets als der Bevölkerung aufgezwungen und nicht als von ihr mitgetragen. Als die faschistische Bewegung entgegen allen Annahmen der Partei jedoch stark zunahm, stand die KPD vor einem Dilemma. Mit der Möglichkeit einer solchen Massenbasis hatte sie nicht gerechnet. Zwar galten insbesondere das Kleinbürgertum und die Bäuerinnen und Bauern als anfällig für die NS-Propaganda. Dennoch schien es undenkbar, daß ein derart großer Teil der Bevölkerung gegen seine eigenen – die KPD sprach von „objektiven“ – Interessen handeln würde. Wenn die Massen es jetzt doch taten, mußten sie folglich fehlgeleitet und manipuliert sein. Jedenfalls war es für die Partei eine ausgesprochen bittere Erfahrung, daß die Nazis einen derart dramatischen Zulauf verzeichnen konnten – noch dazu von Menschen, die die KPD neben der Arbeiterklasse stets als ihr Potential ansah.
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