Alex Feuerherdt – Die Klinsmanndeutschen

Fußball ist ohne Zweifel en vogue, angesagt, hip und sexy. Nicht nur, aber auch in Deutschland und vor allem, seit die Weltmeisterschaft immer näher rückt. Die Bundesliga schreibt Jahr für Jahr neue Rekordbesucherzahlen, die TV-Einschaltquoten erreichen Höchststände, und längst ist dieser Sport — mehr als alle anderen — zu einem wichtigen Marktsegment geworden; aus Vereinen wurden teilweise börsennotierte Unternehmen. Fußball ist eine sehr gut verkaufte und sich bestens verkaufende Ware, die sich einen immer größer werdenden Konsumentenkreis erschließt. Während das Interesse am Kicken noch bis weit in die 1990er Jahre hinein als eher anrüchig, degoutant und prollig galt, hat sich die Gesellschaftsfähigkeit des Fußballs inzwischen gründlich geändert: Heute ist der Stadionbesuch eine echte Alternative zu Theater, Kino, Konzerten oder Musicals; auf den (teurer gewordenen) Plätzen der (mittlerweile deutlich komfortableren) Arenen versammeln sich längst nicht mehr nur als mindestens potenziell gewalttätig geltende Männer. Fußballer sind Popstars, deren Trikots vom geneigten Publikum nicht bloß im Stadion getragen werden; Fernsehsender balgen sich um die Übertragungsrechte und blasen, genau wie bunte Illustrierte mit Namen wie 11 Freunde, Rund oder Player, noch die unwichtigsten Abseitigkeiten zu weltbewegenden Ereignissen auf. Ganz normaler Kapitalismus also, könnte man achselzuckend feststellen und zur Tagesordnung übergehen. Und doch ist es nicht uninteressant, sich diese Entwicklungen samt ihrer konkreten Ausprägungen einmal näher anzuschauen und sie auf ihre ideologischen Flankierungen abzuklopfen.
[…]

Online lesen und hören
Druckvorlage runterladen