tomorrow – youth against etablishment – Arbeit. Eine Geschichte des Leidens

Die Arbeit, so wie sie uns heute erscheint, als eine fremdbestimmte, jenseits der eigenen Bedürfnisse und außerhalb eigener Kontrolle liegende Tätigkeit, ist, wie auch Kapital, Markt usw., eine Kategorie, die nur der Moderne zuzuordnen ist. Gegenstand unserer Kritik soll also nicht sein, dass Menschen im allgemeinen tätig sind, also Häuser bauen, Musik machen usw., sondern die momentane gesellschaftsmächtige Form in der dies geschieht. Denn auch wenn es heute schwer vorstellbar ist, war es nicht immer eine Selbstverständlichkeit, den größten Teil seines Lebens für einen fremdbestimmten Selbstzweck zu verbrauchen, um seine Reproduktion sichern zu können. Arbeit als etwas Natürliches, Immerwährendes und Unaufhebbares zu bezeichnen, leugnet nicht nur die Geschichte zahlreicher vormoderner Kulturen, in denen man der Bedürfnisse wegen tätig war und nicht der geldvermehrenden Produktion willen, sondern setzt auch das moderne warenproduzierende System und alle seine verheerenden Auswirkungen ad absolutum. Um die Arbeit als eine historisch begrenzte Größe zu enttarnen und ihr den Charakter einer natürlichen Gegebenheit zu entreißen, wollen wir zunächst ihre Entstehung nachzeichnen. Denn die lange Geschichte der Moderne, an deren Ende eine Gesellschaft steht, in der massive Umweltschäden, Amokläufer, Terrorismus, Massenarmut usw. als etwas Alltägliches, ja normales gelten, ist gleichzusetzen mit der Geschichte, oder besser der Durchsetzungsgeschichte der Arbeit. Denn um die gesamte Menschheit im Sinne der kapitalistischen Produktion konform zu machen, bedurfte es mehrerer Jahrhunderte offener und latenter Gewalt.
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