Antideutsche Kommunisten Berlin -Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses

Über den Hirntod der Globalisierungsgegnerinnen

Immer dann, wenn die radikale Linke schwächer wird, beeilen sich die Überbleibsel mit fliegenden Fahnen in das feindliche Lager zu wechseln. Der Trick ist dabei stets der gleiche: Man tut so, als ob man neue Erkenntnisse hätte, die man dann als Tabubruch und vor Kühnheit zitternd vorträgt. Es gälte Abschied zu nehmen von den alten, verstaubten Ideologien, vom orthodoxen Marxismus. Die verkrusteten Strukturen müßten aufgebrochen, ganz neue Formen des Widerstandes gefunden werden. So leitete die alte Sozialdemokratie ihren Untergang ein, der darin mündete, daß sie den ersten Weltkrieg bejubelte. So erging es Joschka Fischer und seiner Gang, die schließlich Jugoslawien in Schutt und Asche bombte und auch der PDS, die übereifrig ihre Dogmatiker herausekelt und sich vom Kommunismus distanziert, als ob je jemand in der Partei diesen gewollt hätte. Es scheint einen gespenstischen Sog zum Konformismus zu geben, der immer gerade dann einsetzt, wenn Widerstand besonders notwendig wäre. Auffallend ist vor allem, daß die Liquidatoren jeglicher radikaler Kritik sich immer erst dann zu Wort melden, wenn das bekämpfte Schreckgespenst eh längst tot ist: Der linke Antistalinismus kam erst dann so recht in Mode, als es den Stalinismus längst nicht mehr gab. Aber dann läßt es sich um so ungehemmter auf den Leichnam eindreschen, den niemand mehr ernsthaft verteidigt. Etwa der oben skizzierten Figur folgen auch die Linken, die ihren Schwenk zum Bestehenden durch Kritik an den klassischen Autonomen legitimieren. „Schluß mit der Nischenpolitik!“ hieß und heißt die stereotyp wiederholte Parole, die allen Skeptikerinnen den Wind nimmt – wer will schon oldfashioned sein. Doch „Raus aus der Nische“ bedeutet nicht, den tatsächlich anekelnden Mief von Volksküchen und selbstbezogenen Moralapellen zugunsten kommunistischer Kritik abzulegen, sondern immer nur Schluß mit dem pc-Terror und der Subkultur und herein in den Mainstream, in die Welt der elektronischen Musik, der Marken und der Seifenopern. War das Ziel früher die Weltrevolution, so heißt es heute „Für eine starke Linke“ oder „Für eine linke Strömung“ (FelS), also für einen größeren Verein, der dann natürlich ein etablierter politischer Faktor zu sein hat, anstatt das Establishment zu bekämpfen. Deshalb gibt es angeschlossene PR-Abteilungen, Hochglanzwerbeflyers und Pressekonferenzen, genau wie in einem seriösem Verbund. Man diskutiert öffentlich im Fernsehen mit der Polizei, wie die AAB am Vorabend der verbotenen 1.Mai Demonstration und ist sich nicht einmal zu schade, sich von MTV interviewen zu lassen. Für die Revolution ist da nur noch als Anglizismus Platz, was andeuten soll, wenn wir ‚revolution‘ sagen, meinen wir doch nur ‚flexibility‘. Keineswegs aber könnte von uns eine ernsthafte Gefahr für die Eigentumsverhältnisse ausgehen.
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