autonome.antifa [f] – Wort zum Sonntag – Eine Flaschenpost an die Restvernunft

Am Sonntag, den 3.Oktober 2004 demonstrierten knapp 300 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet gegen die Feierlichkeiten zum „Tag der deutschen Einheit“ in Erfurt. Eigentlich eine sehr vernünftige Sache, möchte man meinen. Doch dem war leider nicht so. Mit einem Aufruf, der vor allen Dingen einen Querschnitt „antideutscher“ Peinlichkeiten zu bieten hatte, einem Meer von Israel-, USA- und Großbritannien-Fahnen sowie zu guter letzt einer Ansprache der Bahamas-Redaktion an die gebannt lauschende Speerspitze der Weltrevolution, machte diese Demo vielmehr das aktuelle Dilemma der radikalen Linken sichtbar. Es zeigt, dass die Frage nach der erklärten „Solidarität mit Israel“ sich ebenso wenig wie die beabsichtigte „Kritik der deutschen Ideologie“ als Lackmustest für die Unterscheidung zwischen Wahnsinn und Vernunft eignet. Vielmehr, so scheint es uns zumindest, ist diese Unterscheidung da zu konstatieren, wo sie der Logik des Begriffes entsprechend auch verläuft – eben zwischen Wahnsinn und Vernunft.
Wir wollen im Folgenden ein paar abschließende Worte dazu verlieren; in der Hoffnung, dass diese Flaschenpost an die Restvernunft ihren Adressaten in der radikalen Linken noch findet. Im Sinne einer progressiven Kritik verzichten wir darauf, die „richtige“ Position fertig zu skizzieren – sie ergibt sich vielmehr als Nichtort aus der Kritik an den konträren, gleichwohl ebenso identitären, Ansätzen innerhalb der Linken.
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