Jan Gerber – Von Lenin zu Al Qaida – Kleine Geschichte des Antiimperialismus

Spätestens im August 1914 dementierte das europäische Proletariat einen der emphatischsten Sätze des Kommunistischen Manifests: „Die Arbeiter haben kein Vaterland!“ Französische Sozialisten reihten sich begeistert in die Schlangen vor den Mobilisierungsbüros der französischen Armee ein. Georgi Plechanow, der politische Ziehvater Lenins, appellierte an die russische Arbeiterklasse, ihr Vaterland zu verteidigen. Und die Reichstagsfraktion der SPD stimmte geschlossen für die Kriegskredite und folgte damit dem Vorbild ihres Großen Vorsitzenden August Bebel, der schon 1898 erklärt hatte, dass er gegen Russland selbst die „Flinte auf den Buckel“ nehmen würde. Die II. Internationale, die noch zwei Jahre vor Kriegsausbruch verkündet hatte, dass sie alles aufbieten werde, um einen Krieg zu verhindern und – falls dies nicht möglich sei – die „Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen“, zerbrach.
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