Gilles Dauvé – 1917-1937: Wenn die Aufstände sterben

» (…) Wird die russische Revolution das Signal einer proletarischen Revolution im Westen, so daß beide einander ergänzen, so kann das jetzige russische Gemeineigentum am Boden zum Ausgangspunkt einer kommunistischen Entwicklung dienen.«
(Marx, Engels, Vorwort zur russischen Ausgabe des Manifests, 1882)

Diese Perspektive hat sich nicht bewahrheitet. Das europäische Industrieproletariat hat sein Zusammenkommen mit einer neubelebten russischen Dorfgemeinschaft verpaßt.

Polen, Brest-Litowsk, Dezember 1917. Einem Deutschland, das entschlossen ist, sich einen guten Teil des ehemaligen Zarenreichs von Finnland bis zum Kaukasus einzuverleiben, schlagen die Bolschewiken einen Frieden ohne Annektion vor. Aber im Februar 1918 gehorchen die deutschen Soldaten, obwohl sie »Proletarier in Uniform« sind, den Befehlen ihrer Offiziere und nehmen die Offensive gegen das nunmehr sowjetische Rußland wieder auf. Es gibt keine Fraternisierung, und der von den Linksbolschewiken gerühmte revolutionäre Krieg erweist sich als undurchführbar. Im März muß Trotzki ein Friedensabkommen unterschreiben, dessen Bedingungen die Generäle des Kaisers diktiert haben. Wir tauschen Raum gegen Zeit, hatte Lenin gesagt: und tatsächlich wird mit der deutschen Niederlage im November der Vertrag hinfällig. Doch der praktische Beweis der internationalen Einigkeit der Ausgebeuteten war verpaßt worden. Einige Monate später stellen sich dieselben Proletarier, die nun mit dem Ende des Kriegs ins Zivilleben zurückgekehrt sind, der mit den Freikorps alliierten offiziellen Arbeiterbewegung entgegen. Sie unterliegen 1919 in Berlin, in Bayern und in Ungarn. 1920 unterliegt die Rote Ruhrarmee. 1921 scheitert die Märzaktion …

September 1939. Hitler und Stalin haben sich gerade Polen untereinander aufgeteilt. An der Grenzbrücke Brest-Litowsk werden mehrere hundert KPD-Mitglieder, die sich in die UdSSR geflüchtet hatten und dann als »Konterrevolutionäre« oder »Faschisten« verhaftet worden waren, aus den stalinistischen Gefängnissen an die Gestapo übergeben.

1917-1937, zwanzig Jahre, die die Welt erschütterten. Die Schrecken des Faschismus von 1939-45 und die Umwälzungen, die darauf folgten, sind das Ergebnis einer gigantischen gesellschaftlichen Krise, die durch die Aufstände von 1917 eröffnet und mit dem Krieg in Spanien wieder beendet wurde.
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