copy and destroy http://copyand.blogsport.de Thu, 12 Feb 2009 14:50:11 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Gilles Dauvé – 1917-1937: Wenn die Aufstände sterben http://copyand.blogsport.de/2009/02/12/gilles-dauve-1917-1937-wenn-die-aufstaende-sterben/ http://copyand.blogsport.de/2009/02/12/gilles-dauve-1917-1937-wenn-die-aufstaende-sterben/#comments Thu, 12 Feb 2009 14:50:11 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2009/02/12/gilles-dauve-1917-1937-wenn-die-aufstaende-sterben/

» (…) Wird die russische Revolution das Signal einer proletarischen Revolution im Westen, so daß beide einander ergänzen, so kann das jetzige russische Gemeineigentum am Boden zum Ausgangspunkt einer kommunistischen Entwicklung dienen.«
(Marx, Engels, Vorwort zur russischen Ausgabe des Manifests, 1882)

Diese Perspektive hat sich nicht bewahrheitet. Das europäische Industrieproletariat hat sein Zusammenkommen mit einer neubelebten russischen Dorfgemeinschaft verpaßt.

Polen, Brest-Litowsk, Dezember 1917. Einem Deutschland, das entschlossen ist, sich einen guten Teil des ehemaligen Zarenreichs von Finnland bis zum Kaukasus einzuverleiben, schlagen die Bolschewiken einen Frieden ohne Annektion vor. Aber im Februar 1918 gehorchen die deutschen Soldaten, obwohl sie »Proletarier in Uniform« sind, den Befehlen ihrer Offiziere und nehmen die Offensive gegen das nunmehr sowjetische Rußland wieder auf. Es gibt keine Fraternisierung, und der von den Linksbolschewiken gerühmte revolutionäre Krieg erweist sich als undurchführbar. Im März muß Trotzki ein Friedensabkommen unterschreiben, dessen Bedingungen die Generäle des Kaisers diktiert haben. Wir tauschen Raum gegen Zeit, hatte Lenin gesagt: und tatsächlich wird mit der deutschen Niederlage im November der Vertrag hinfällig. Doch der praktische Beweis der internationalen Einigkeit der Ausgebeuteten war verpaßt worden. Einige Monate später stellen sich dieselben Proletarier, die nun mit dem Ende des Kriegs ins Zivilleben zurückgekehrt sind, der mit den Freikorps alliierten offiziellen Arbeiterbewegung entgegen. Sie unterliegen 1919 in Berlin, in Bayern und in Ungarn. 1920 unterliegt die Rote Ruhrarmee. 1921 scheitert die Märzaktion …

September 1939. Hitler und Stalin haben sich gerade Polen untereinander aufgeteilt. An der Grenzbrücke Brest-Litowsk werden mehrere hundert KPD-Mitglieder, die sich in die UdSSR geflüchtet hatten und dann als »Konterrevolutionäre« oder »Faschisten« verhaftet worden waren, aus den stalinistischen Gefängnissen an die Gestapo übergeben.

1917-1937, zwanzig Jahre, die die Welt erschütterten. Die Schrecken des Faschismus von 1939-45 und die Umwälzungen, die darauf folgten, sind das Ergebnis einer gigantischen gesellschaftlichen Krise, die durch die Aufstände von 1917 eröffnet und mit dem Krieg in Spanien wieder beendet wurde.
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Walter Benjamin – Zur Kritik der Gewalt http://copyand.blogsport.de/2008/11/14/walter-benjamin-zur-kritik-der-gewalt/ http://copyand.blogsport.de/2008/11/14/walter-benjamin-zur-kritik-der-gewalt/#comments Fri, 14 Nov 2008 21:49:58 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2008/11/14/walter-benjamin-zur-kritik-der-gewalt/

Die Aufgabe einer Kritik der Gewalt läßt sich als die Darstellung ihres Verhältnisses zu Recht und Gerechtigkeit umschreiben. Denn zur Gewalt im prägnanten Sinne des Wortes wird eine wie immer wirksame Ursache erst dann, wenn sie in sittliche Verhältnisse eingreift. Die Sphäre dieser Verhältnisse wird durch die Begriffe Recht und Gerechtigkeit bezeichnet. Was zunächst den ersten von ihnen angeht, so ist klar, daß das elementarste Grundverhältnis einer jeden Rechtsordnung dasjenige von Zweck und Mittel ist. Ferner, daß Gewalt zunächst nur im Bereich der Mittel, nicht der Zwecke aufgesucht werden kann. Mit diesen Feststellungen ist für die Kritik der Gewalt mehr, und freilich auch anderes, als es vielleicht den Anschein hat gegeben. Ist nämlich Gewalt Mittel, so könnte ein Maßstab für ihre Kritik ohne weiteres gegeben erscheinen. Er drängt sich in der Frage auf, ob Gewalt jeweils in bestimmten Fällen Mittel zu gerechten oder ungerechten Zwecken sei. Ihre Kritik wäre demnach in einem System gerechter Zwecke implizit gegeben. Dem ist aber nicht so. Denn was ein solches System, angenommen es sei gegen alle Zweifel sichergestellt, enthielte, ist nicht ein Kriterium der Gewalt selbst als eines Prinzips, sondern eines für die Fälle ihrer Anwendung. Offen bliebe immer noch die Frage, ob Gewalt überhaupt, als Prinzip, selbst als Mittel zu gerechten Zwecken sittlich sei. Diese Frage bedarf zu ihrer Entscheidung denn doch eines näheren Kriteriums, einer Unterscheidung in der Sphäre der Mittel selbst, ohne Ansehung der Zwecke, denen sie dienen.
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Mehr von Walter Benjamin auf einbahnstrasse.blogsport.de

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Leitfaden Alg II/Sozialhilfe von A-Z http://copyand.blogsport.de/2008/11/11/leitfaden-alg-iisozialhilfe-von-a-z/ http://copyand.blogsport.de/2008/11/11/leitfaden-alg-iisozialhilfe-von-a-z/#comments Tue, 11 Nov 2008 00:02:07 +0000 copyand Rest http://copyand.blogsport.de/2008/11/11/leitfaden-alg-iisozialhilfe-von-a-z/

Die grundlegend überarbeitete Neuauflage des bekannten „Standardwerks für Arbeitslosengeld II-Empfänger” (Spiegel 43/2005) ist im Oktober 2008 erschienen. Der neue Leitfaden wurde von Autorenteam Frank Jäger und Harald Thomé vom Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles e.V. herausgegeben. Der Verein Tacheles aus Wuppertal hat das Ratgeberprojekt für Betroffene und Berater/-innen aufgrund der Pensionierung von Prof. Rainer Roth vollständig von der AG TuWas (FH Frankfurt) übernommen.
Der Ratgeber beruht auf vielen Jahren Beratungs- und Schulungspraxis und einem bewährten Konzept, das im Lauf von 30 Jahren „Leitfadenarbeit” entwickelt wurde.

Er stellt zugleich mit den Regelungen des Arbeitslosengelds II auch die Regelungen der Sozialhilfe und der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in kompakter Form dar. Als einziger umfassender Ratgeber für das SGB II und SGB XII ist er deswegen für Beratungszwecke und als Nachschlagewerk sowohl für Rechtsanwender als auch für Laien besonders geeignet.

Im ersten Teil werden in 91 Stichworten alle Leistungen ausführlich in übersichtlicher und bewährt verständlicher Form erläutert. Der zweite Teil behandelt in 30 Stichworten wie Betroffene ihre Ansprüche durchsetzen und sich erfolgreich gegen die Behörde wehren können.

Der aktuelle Stand der Rechtsprechung und der Gesetzgebung ist eingearbeitet und kritisch kommentiert. Auch der Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, ihre sozialen und wirtschaftlichen Ursachen und die Zielsetzung aktueller Sozialgesetzgebung fehlt nicht.

Die Autoren wollen mit diesem Leitfaden BezieherInnen von Sozialleistungen dazu ermutigen, ihre Rechte offensiv durchzusetzen und sich gegen die fortschreitende Entrechtung und die Zumutungen der Alg II-Behörden zu wehren. Sie wollen dazu beitragen, dass sie bei SozialberaterInnen, MitarbeiterInnen der Sozial- und Wohlfahrtsverbände sowie Anwältinnen und Anwälten fachliche und parteiische Unterstützung für die rechtliche Gegenwehr erhalten, die dringend benötigt wird. Jäger und Thomé empfehlen Erwerbslosen sich lokal zu organisieren und gemeinsam ihre Interessen zu vertreten. Um dem zunehmenden Abbau der sozialen Sicherung und der damit einhergehenden Ausweitung von Niedriglohn und schlechten Arbeitsbedingungen zu begegnen, treten sie dafür ein, dass solidarische Bündnisse zwischen Erwerbslosen, Beschäftigten und anderen vom Sozialabbau betroffenen Gruppen geschmiedet werden, die dem Sozialabbau und Lohndumping den Kampf ansagen.

Die Autoren üben detaillierte Kritik an der Höhe des Existenzminimums oder der rechtswidrigen Ausdehnung von Unterhaltsverpflichtungen. Sie decken die leeren Versprechungen der Politik auf, die vorgeben die Verschärfung des Sozialrechts würde Langzeitarbeitslosen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Der Ratgeber enthält außerdem neue rechtliche Ansätze, wie z.B. ungedeckter Bedarf von Lernmitteln für Schulkinder realisiert oder rechtswidrig gekürzte Leistungen aufgrund eines Krankenhausaufenthalts zurückgefordert werden könnten.

Gerade weil sich die Behörden immer rigider über geltendes Recht hinwegsetzen, ist dieser Leitfaden nötiger denn je.

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Roswitha Scholz – Homo Sacer und „Die Zigeuner“ http://copyand.blogsport.de/2008/05/20/roswitha-scholz-homo-sacer-und-die-zigeuner/ http://copyand.blogsport.de/2008/05/20/roswitha-scholz-homo-sacer-und-die-zigeuner/#comments Tue, 20 May 2008 14:17:09 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2008/05/20/roswitha-scholz-homo-sacer-und-die-zigeuner/ Antiziganismus – Überlegungen zu einer wesentlichen und deshalb „vergessenen“ Variante des modernen Rassismus

1. Einleitung: Antiziganismus – der „vergessene“ Rassismus
Die Beschäftigung mit dem Antiziganismus, d.h. dem spezifischen Rassismus gegenüber Sinti und Roma, ist auch innerhalb der Linken marginal. Manche wissen gar nicht, was „Antiziganismus“ überhaupt meint. Wolfgang Wippermann schreibt hierzu: „Mein Berufsstand, Professoren und Historiker, haben sich mit den Sinti und Roma nicht beschäftigt, weil es als unfein galt und immer noch gilt. Auch die kritische Intelligenz hat versagt, weil sie die Auseinandersetzung mit diesem Aspekt deutscher Geschichte viel zu lange versäumt hat. Das gilt auch für linke Gruppen, denen das Schicksal der Sinti und Roma bis heute nicht sehr interessant erscheint“ (Wippermann, 1999, S. 106). Und es gilt leider genauso für wertkritische Kontexte. Als wäre die moderne Konstruktion des „Zigeuners“ als arbeitsscheu, sinnlich, „wild and free“ nicht gerade für eine wert- und arbeitskritische Position von Interesse. Vergessen wird, dass die eigenen verdrängten Bedürfnisse keineswegs bloß auf „Exoten“ projiziert wurden, „Schwarze“ und „Wilde“ irgendwo in Afrika oder in der Karibik, sondern „sie“ sind schon seit Jahrhunderten in nächster Nähe, sozusagen mitten unter uns: die „Zigeuner“, als fester Bestandteil der modern-westlichen Kultur selbst.
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Mehr: ZAG 43 – Schwerpunkt Antiziganismus

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Interventionen – Broschüre zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus http://copyand.blogsport.de/2008/04/21/interventionen-broschuere-zur-kritik-des-antisemitismus-und-rassismus/ http://copyand.blogsport.de/2008/04/21/interventionen-broschuere-zur-kritik-des-antisemitismus-und-rassismus/#comments Mon, 21 Apr 2008 11:24:41 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2008/04/21/interventionen-broschuere-zur-kritik-des-antisemitismus-und-rassismus/

interventionen_titlepage

01 Einführung in die Broschüre
von der Redaktion

02 Essentials der Antisemitismuskritik
von Sebastian Voigt

03 Homo Sacer und „Die Zigeuner“
Antiziganismus – Überlegungen zu einer wesentlichen und deshalb „vergessenen“ Variante des modernen Rassismus
von Roswitha Scholz

04 Schwarz – Weiß – Rot – Gold
(Anti)Rassismus im deutschen Kontext
von Lou Sander

05 Nationalsozialismus und Antisemitismus
Ein theoretischer Versuch
von Moishe Postone

06 Vom Antijudaismus zum Antisemitismus
Ein historischer Überblick
von Janica Burkova

07 Antiamerikanismus ist kein Antikapitalismus
vom Antifaschistischen Frauenblock Leipzig

08 Islamismus, Faschismus und NS
von Matthias Küntzel

09 Filmrezension: „Shoah“ von Claude Lanzmann
von Andi

10 Ist dir kalt oder hast du was gegen Juden?
von liberté toujours

interventionen.

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Johannes Agnoli – „Die Sache selbst“ und ihre Geschichte. http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/johannes-agnoli-die-sache-selbst-und-ihre-geschichte/ http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/johannes-agnoli-die-sache-selbst-und-ihre-geschichte/#comments Mon, 24 Mar 2008 14:27:25 +0000 copyand Audio[-vision] http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/johannes-agnoli-die-sache-selbst-und-ihre-geschichte/

Die Subversion ist die Arbeit, die die Revolution vorbereitet. Sie ist nicht selbst die Revolution – und diese Arbeit ist notwendig, um der Revolution behilflich zu sein in der schwierigen Zeit ihrer Überwinterung.”
Johannes Agnoli

Im Wintersemester 1989/90 hielt Johannes Agnoli seine Abschiedsvorlesung an der FU-Berlin. Beginnend mit dem Alten Griechenland und dem Spartakusaufstand über die Bauerkriege, die Renaissance und die Aufklärung hinweg, über Wilhelm Weitling, Karl Marx und Michael Bakunin bis in die Gegenwart hinein zeigt Angoli was es heißt, den Antagonismus gegen Herrschaft und Ausbeutung zu praktizieren und ihn zugleich zu denken.
1999 veröffentlichte der ça ira Verlag eine Verschriftlichung der Vorlesung, die inzwischen leider ausverkauft ist. Wem das gesprochene Wort genügt, dem sei die Lesung des Buches, veröffentlicht auf Context XXI, empfohlen.

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Das negative Potential – Gespräche mit Johannes Agnoli http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/das-negative-potential-gespraeche-mit-johannes-agnoli/ http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/das-negative-potential-gespraeche-mit-johannes-agnoli/#comments Mon, 24 Mar 2008 12:27:57 +0000 copyand Audio[-vision] http://copyand.blogsport.de/2008/03/24/das-negative-potential-gespraeche-mit-johannes-agnoli/ Obwohl auch das Buch «Das negative Potential – Gespräche mit Johannes Agnoli» empfehlenswert ist, möchte ich hier auf den gleichnamigen Film aufmerksam machen.

Der Film zeigt Johannes Agnoli in seinem Landhaus in Lucca im Gespräch mit Christoph Burgmer im September 2001. Agnoli führt aus, warum der Staat notwendigerweise ein Zwangsverhältnis darstellt, das für allerlei Dinge zu gebrauchen ist, aber ganz sicher nicht für die Emanzipation der Menschen von Herrschaft und Ausbeutung. Er weist ebenso geduldig wie unnachgiebig darauf hin, daß es nicht um die Humanisierung der Kapitalverhältnisse geht, sondern um deren Überwindung. Gegen die heimtückische Frage, wo denn das Positive bleibe, favorisiert Agnoli die Kraft der Negation und der Subversion. Er spekuliert über eine mögliche Modernisierung des Staates in Richtung eines autoritären Rechtsstaates, erklärt, warum das Kapital über die Einführung einer Tobin-Steuer nur lachen würde, und erläutert, warum die biblische Eva die erste Verkörperung der Subversion war.

torrent auf isohunt.com

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requiescat in pace http://copyand.blogsport.de/2008/03/14/requiescat-in-pace/ http://copyand.blogsport.de/2008/03/14/requiescat-in-pace/#comments Fri, 14 Mar 2008 11:36:03 +0000 copyand Rest http://copyand.blogsport.de/2008/03/14/requiescat-in-pace/ marx

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Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft – 28 Thesen zur Klassengesellschaft http://copyand.blogsport.de/2008/01/25/freundinnen-und-freunde-der-klassenlosen-gesellschaft-28-thesen-zur-klassengesellschaft/ http://copyand.blogsport.de/2008/01/25/freundinnen-und-freunde-der-klassenlosen-gesellschaft-28-thesen-zur-klassengesellschaft/#comments Fri, 25 Jan 2008 15:55:03 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2008/01/25/freundinnen-und-freunde-der-klassenlosen-gesellschaft-28-thesen-zur-klassengesellschaft/ Erschienen in Kosmoprolet #1

1.
Das vorläufige Resultat der Geschichte des Kapitals in seinen fortgeschrittenen Zonen stellt sich als klassenlose Klassengesellschaft dar, in der das alte Arbeitermilieu in einer verallgemeinerten Lohnabhängigkeit aufgelöst ist: überall proletarisierte Individuen, nirgends das Proletariat, nicht als erkennbare Gruppe von Menschen und erst recht nicht als kollektiver Akteur, als negative, auflösende Seite der Gesellschaft. Aus gelegentlichen Arbeitskonflikten werden keine Klassenkämpfe, in denen um die Zukunft der Gesellschaft gerungen würde, denn die alte proletarische Bewegung ist restlos in der herrschenden Ordnung aufgegangen und eine neue noch nicht in Sicht.
[…]

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Update via place2be.blogsport.de:
Die #1 ist inzwischen ausverkauft. Die gesamte Ausgabe, inklusive „28 Thesen zur Klassengesellschaft“ kann hier heruntergeladen werden.

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Michael Reich – Leben wir noch in einer bürgerlichen Gesellschaft? http://copyand.blogsport.de/2007/12/14/michael-reich-leben-wir-noch-in-einer-buergerlichen-gesellschaft/ http://copyand.blogsport.de/2007/12/14/michael-reich-leben-wir-noch-in-einer-buergerlichen-gesellschaft/#comments Fri, 14 Dec 2007 16:15:59 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/12/14/michael-reich-leben-wir-noch-in-einer-buergerlichen-gesellschaft/

Die Beantwortung der aufgeworfenen Frage, „Leben wir noch in einer bürgerlichen Gesellschaft“, hängt wesentlich davon ab, welchen Inhalt man diesem Begriff „bürgerliche Gesellschaft“ zumessen möchte. Er ist notorisch unbestimmt und steht gewissermaßen am Kreuzpunkt unterschiedlicher historischer, soziologischer und psychologischer Betrachtungsweisen. Der Begriff hat keinen festen Bedeutungsgehalt und von daher ist es müßig, die Frage des Vortrages mit ja oder nein zu beantworten. Nichts spricht dagegen den Begriff als Epochenbegriff zu behandeln und bspw. die Zeit von 1870 bis 1914 als „bürgerliches Zeitalter“ zu bestimmen wie in den Geschichtswissenschaften usus. Die Historiographie beschäftigt sich dementsprechend mit dem „Bürger“ als Mitglied einer Schicht, die sich abgrenzt gegen die Arbeiterklasse, aber auch gegen den Adel, einer Schicht, die einen bestimmten Habitus besitzt und ein bestimmtes Selbstbild.
Wählt man eine andere Zeiteinteilung, vielleicht beginnend mit der Amerikanischen Revolution und irgendwann in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts oder Anfang des 20. Jahrhunderts endend, erhält man einen Begriff des Bürgers und der bürgerlichen Gesellschaft, der mit Nachdruck darauf abzielt, dass es in diesem Zeitraum autonome Individuen gab, die sich als selbstbestimmte verstanden und die kritisch auf ihre Umwelt reflektierten. Diese Form der Individualität, so liest man bspw. bei Adorno oder auch bei Hanna Arendt, verschwände mit dem Aufkommen der Massengesellschaft. Folgt man dieser These, liegt es nahe, eine Verfallstendenz anzunehmen und gar vom „Verschwinden des Subjekts“ zu reden, wie Adorno es tat. Die Rede vom „Verschwinden des Subjekts“ soll im Folgenden relativiert werden, ebenso jene vom Ende der „bürgerlichen Gesellschaft“, also die vom Ende der ökonomischen und politischen Bedingungen, die jenes selbstbestimmte Subjekt hervorgebracht haben.
Im Blickpunkt meines Vortrages steht also die Frage, warum es immer noch sinnvoll ist von „bürgerlicher Gesellschaft“ zu sprechen und gerade nicht, wie viele Kritiker der heutigen Zustände es tun, von „postbürgerlicher“ oder „nachbürgerlicher Gesellschaft“. Sowohl ökonomisch, politisch als auch in der Frage nach der Subjektkonstitution haben sich die Koordinaten der gesellschaftlichen Verfasstheit nicht derart geändert, dass man den Begriff der bürgerlichen Gesellschaft ad acta legen sollte.
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Hans-Christian Psaar – Street Art zwischen Rekuperation und subversivem Potential http://copyand.blogsport.de/2007/12/11/hans-christian-psaar-street-art-zwischen-rekuperation-und-subversivem-potential/ http://copyand.blogsport.de/2007/12/11/hans-christian-psaar-street-art-zwischen-rekuperation-und-subversivem-potential/#comments Tue, 11 Dec 2007 12:17:19 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/12/11/hans-christian-psaar-street-art-zwischen-rekuperation-und-subversivem-potential/

Gleich zu Beginn die Frage nach der Definition: Was ist Street Art? Sind klassische Schmierereien auf Wahlplakaten Street Art? Oder die farbenfrohe antizionistische Staatskunst, die an Teheraner Häuserwänden zu bestaunen ist? Statt diese Fragen zu beantworten, möchte ich folgende Eingrenzungen vorschlagen, mit Hilfe derer ich Street Art behandeln werde. Street Art basiert auf der kapitalistischen Vergesellschaftung. Sie ist Popkultur und damit Teil der Kulturindustrie und leitet sich nicht aus Traditionen und Gebräuchen ab. Sie legt durch die Verwendung der Kollage den formbaren, synthetischen Charakter von Kunst dar. Sie ist eine urbane Kunst und der Stadtraum ist ihr Betätigungsfeld. Sie bedient sich verschiedener Mittel und Techniken der visuell gestaltenden Kunst wie Sprühschablonen, Aufklebern, Kleister. Sie entstammt einer Subkultur und nicht dem etablierten Kunstbetrieb.
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Claire Erber – Gegenteil von Rassismus, waagerecht http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/claire-erber-gegenteil-von-rassismus-waagerecht/ http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/claire-erber-gegenteil-von-rassismus-waagerecht/#comments Fri, 30 Nov 2007 15:02:54 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/claire-erber-gegenteil-von-rassismus-waagerecht/

Verschriftlichung des Referats „Antirassismus und die Befreiung des Individuums“, gehalten am 18.08.07 im AJZ Bunte Platte

Wie der Name des Referats schon vermuten lässt, soll im Folgenden nicht die Beschäftigung mit klassisch rassistischen Vorurteilen, Klischees oder Handlungen im Mittelpunkt stehen. Ich gehe schlicht und einfach davon aus, dass von den hier Anwesenden niemand Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminieren oder gar angreifen würde. Die Erkenntnis, dass Menschen in ihrem Charakter nicht primär durch Genetik, geografische Herkunft, biologische Vorfahren oder dergleichen geprägt sind, sondern ihre Persönlichkeit in der Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung entwickeln, kann man nicht nur mit wissenschaftlichen Studien untermauern. Auch die triviale Erfahrung, dass man Freundschaften ebenso gut im Ausland oder per Internet global entwickelt und im Gegenzug die meisten Arschlöcher, die man in der Heimat trifft, Weißbrote sind, kann dies anschaulich bestätigen. Hinzu kommt, dass zu eben jenem Thema schon viele kluge Dinge geschrieben wurden, auf die ich hiermit nur verweisen will. In dieser Abhandlung soll näher beleuchtet werden, was mit der bloßen Ablehnung und Verneinung des Rassismus – welche ich voraussetze – nicht gesagt ist. Nämlich erstens, warum es ihn trotzdem noch gibt, bzw. warum er entsteht und zweitens, wie man ihm angemessen begegnet.
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Das panoptische Gehirn der Festung Europa http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/das-panoptische-gehirn-der-festung-europa/ http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/das-panoptische-gehirn-der-festung-europa/#comments Fri, 30 Nov 2007 13:50:07 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/11/30/das-panoptische-gehirn-der-festung-europa/

Das Thema Überwachung ist in, manche sehen schon eine neue Bürgerrechtsbewegung am Horizont. Auch „die Linke wacht jetzt erschrocken auf, weil die staatlichen Maßnahmen sie selbst betreffen.“
Dabei werden viele Kontrollsysteme erstmalig zur Migrationskontrolle eingesetzt und getestet, bevor sie auf andere gesellschaftliche Bereiche ausgeweitet werden. Antirassistische Initiativen arbeiten seit langem zum Thema, aber ein breites Bewusstsein dafür scheint es nicht zu geben. Wolfgang Kaleck kritisiert zu Recht: „Dagegen haben sich linke Kritiker aber nie entschieden gewandt, sondern dem Ausbau des Sicherheitsapparates zugeschaut. Und der entfaltet gegenwärtig sein volles Potenzial.“

Dieser Artikel stellt elektronische Datenbanken und Datenaustauschverfahren in der EU vor. Mike Davis bezeichnet diese als „panoptisches Gehirn“ und einen von drei „grundlegenden Bauteilen“ der Festung Europa.
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Lothar Gallow-Bergemann – Fünf Thesen zu Kapitalismuskritik und Utopie http://copyand.blogsport.de/2007/10/25/lothar-gallow-bergemann-fuenf-thesen-zu-kapitalismuskritik-und-utopie/ http://copyand.blogsport.de/2007/10/25/lothar-gallow-bergemann-fuenf-thesen-zu-kapitalismuskritik-und-utopie/#comments Thu, 25 Oct 2007 09:20:18 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/10/25/lothar-gallow-bergemann-fuenf-thesen-zu-kapitalismuskritik-und-utopie/

Der Grundbaustein des Reichtums der Gesellschaft, in der wir leben, ist die Ware (Marx). Jede Ware hat einen Wert. Während nun im Alltag aus tausenderlei Gründen dem einen dies und der anderen jenes etwas „wert“ ist oder auch nicht, so handelt es sich beim Wert einer Ware um etwas ganz anderes. Er ist keine natürliche Eigenschaft, sondern gesellschaftlich hergestellt. Heute, wo ein Arbeiter mit Hilfe der Technik pro Tag einhundert Armbanduhren und mehr herstellt, liegt der Wert einer dieser Uhren weit unter dem früherer Zeiten, wo es allgemein üblich war, daß ein Mensch – sagen wir – in zehn Tagen eine Armbanduhr produziert hat. Das einzige, was den sogenannten „Wert der Ware“ ausmacht, ist die Menge an verausgabter menschlicher Arbeitszeit (auf der Basis des jeweils herrschenden wissenschaftlich-technischen Niveaus). Nun gibt es schier unendlich viele konkrete Tätigkeiten und hätten wir es lediglich mit Produkten oder Gütern zu tun, so hätten wir eben nur diese ganz konkreten Dinge vor uns. Da wir es nun aber mit Waren zu tun haben, geschieht etwas Entscheidendes: Alle diese Waren, so unterschiedlich sie auch sein mögen – vom Apfelstrudel bis zum Zeitungskommentar, vom Atomkraftwerk bis zum Zewa-wisch-und-weg , haben etwas Gemeinsames: in ihnen steckt menschliche Arbeit. Und zwar vollkommen abstrakte Arbeit. D.h. über diese Arbeit läßt sich nichts konkreteres sagen als eben dies: daß sie menschliche Arbeit ist. Auf dem Markt tauschen sich nun – in Warenform – diese abstrakten Arbeiten untereinander aus. Es scheint, als würden Dinge ausgetauscht, in Wirklichkeit jedoch handelt es sich beim Warenaustausch um den gesellschaftlichen Austausch der Menschen untereinander, der die Form von Dingen angenommen hat. Es ist diese Verdinglichung oder der Fetischismus der Ware, der die vorgefundenen Verhältnisse als „sachliche“, naturgegebene und unveränderliche erscheinen läßt.
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Kampagne NS-Verherrlichung stoppen! – Eine notwendige Diskussion über die Antifapolitik http://copyand.blogsport.de/2007/10/23/kampagne-ns-verherrlichung-stoppen-eine-notwendige-diskussion-ueber-die-antifapolitik/ http://copyand.blogsport.de/2007/10/23/kampagne-ns-verherrlichung-stoppen-eine-notwendige-diskussion-ueber-die-antifapolitik/#comments Tue, 23 Oct 2007 13:51:56 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/10/23/kampagne-ns-verherrlichung-stoppen-eine-notwendige-diskussion-ueber-die-antifapolitik/

Wenn dumme Parolen auf schwache Strukturen treffen, wenn Nazi-Großveranstaltungen fast unwidersprochen bleiben, wenn schnelles Abenteuer die Diskussion um Inhalte und Strategie antifaschistischer Politik ersetzt, dann ist es Zeit für eine kritische Reflexion!
Unserer Meinung nach steckt die linksradikale antifaschistische Bewegung der Bundesrepublik in einer Krise – und dass nicht erst seit gestern. Antifaschistische Mobilisierungen können zunehmend weniger Menschen bewegen. Viele Aktionen schwanken zwischen pseudomilitanter Selbstbeweihräucherung und selbstmitleidigem Gejammer, und die gesellschaftliche Relevanz scheint uns seit längerem abhanden gekommen zu sein. Was tun? Im Folgenden wollen wir als Kampagne NS-Verherrlichung stoppen! darlegen, welche Entwicklungen wir problematisch finden, was politisch schlichtweg in die falsche Richtung geht und wie unsere Vorstellungen von linker antifaschistischer Politik aussehen. Wir hoffen, damit eine Debatte über Gegenwart und Zukunft des linken Antifaschismus anzuregen – eine Debatte, die unseres Erachtens mehr als überfällig ist.
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Jan Gerber – Von Lenin zu Al Qaida – Kleine Geschichte des Antiimperialismus http://copyand.blogsport.de/2007/08/24/jan-gerber-von-lenin-zu-al-qaida-kleine-geschichte-des-antiimperialismus/ http://copyand.blogsport.de/2007/08/24/jan-gerber-von-lenin-zu-al-qaida-kleine-geschichte-des-antiimperialismus/#comments Fri, 24 Aug 2007 00:16:29 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/08/24/jan-gerber-von-lenin-zu-al-qaida-kleine-geschichte-des-antiimperialismus/

Spätestens im August 1914 dementierte das europäische Proletariat einen der emphatischsten Sätze des Kommunistischen Manifests: „Die Arbeiter haben kein Vaterland!“ Französische Sozialisten reihten sich begeistert in die Schlangen vor den Mobilisierungsbüros der französischen Armee ein. Georgi Plechanow, der politische Ziehvater Lenins, appellierte an die russische Arbeiterklasse, ihr Vaterland zu verteidigen. Und die Reichstagsfraktion der SPD stimmte geschlossen für die Kriegskredite und folgte damit dem Vorbild ihres Großen Vorsitzenden August Bebel, der schon 1898 erklärt hatte, dass er gegen Russland selbst die „Flinte auf den Buckel“ nehmen würde. Die II. Internationale, die noch zwei Jahre vor Kriegsausbruch verkündet hatte, dass sie alles aufbieten werde, um einen Krieg zu verhindern und – falls dies nicht möglich sei – die „Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen“, zerbrach.
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Volker Woltersdorf – Queer Theory und Queer Politics http://copyand.blogsport.de/2007/08/17/volker-woltersdorf-queer-theory-und-queer-politics/ http://copyand.blogsport.de/2007/08/17/volker-woltersdorf-queer-theory-und-queer-politics/#comments Fri, 17 Aug 2007 10:40:08 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/08/17/volker-woltersdorf-queer-theory-und-queer-politics/

Der geschichtliche und politische Ausgangspunkt
Die Entstehungsbedingungen von queer als politischer Bewegung und theoretischem Denkansatz liegen in den USA der späten Achtzigerjahre. Der Hintergrund, aus dem sich das Queer Movement ableitet, ist sehr vielfältig: Die Schwulen-, Lesben-, und Frauenbewegung hatten separatistische Politiken mit im Einzelnen sehr unterschiedlicher Ausrichtung verfolgt, die die Entstehung von homogenisierten Ghettos unterstützte. Im kapitalistischen Verwertungsprozess hatte sich die pink economy zu einem eigenständigen Marktsegment gemausert (vgl. Gluckman 1997). Die fortschreitende Institutionalisierung der Lesben-, Schwulen- und Frauenbewegung leitete eine Hinwendung ihrer Funktionäre zur Lobby-Politik ein, die auch ihr Stück vom Kuchen abhaben wollte. Führende schwule Aktivisten versuchten, Schwule und Lesben als »ethnische Identität« zu verkaufen und damit in die us-amerikanische Verteilungspolitik zu integrieren (vgl. Epstein 1987). Sie stellten Schwule als assimilationswillige großstädtische Einkommenselite dar, die sich nach Anerkennung durch den Mainstream sehnt. Ein Ergebnis dieser Ausrichtung war die Kommerzialisierung und Entpolitisierung der CSD-Paraden. All dies förderte eine homogenisierte Darstellung nichtheterosexueller Lebensformen, die stillschweigend ihre weißen, mittelständischen und männlichen Vertreter zur Norm machte. Die lesbisch-feministische Szene formulierte einen sexuellen Verhaltenskodex, der von vielen Frauen ebenfalls zunehmend als beengend und normativ erlebt wurde. Die Auseinandersetzungen, die sich vor allem um Pornografie, Bisexualität, Promiskuität, Penetration und Sadomasochismus drehten, waren so heftig, dass sie als sex wars bezeichnet wurden (vgl. Duggan 1995). Diese Entwicklungen führten dazu, dass sich viele Lesben und Schwule nicht mehr in diesen Bewegungen repräsentiert sahen.
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Detlef Claussen – Vom Judenhass zum Antisemitismus http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/detlef-claussen-vom-judenhass-zum-antisemitismus/ http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/detlef-claussen-vom-judenhass-zum-antisemitismus/#comments Wed, 15 Aug 2007 11:50:48 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/detlef-claussen-vom-judenhass-zum-antisemitismus/

Die Barbarei existiert inmitten der Zivilisation. Auschwitz markiert den äußersten Punkt in der Kette des Barbarischen, das aber nicht mit den Konzentrationslagern verschwunden ist. Es lebt fort in der psychischen Verfassung der Menschen ebenso wie in den gesellschaftlichen Bedingungen, die kaltes Massentöten von Millionen friedlicher unbewaffneter Menschen ermöglichten. Psychische Bedingungen der Individuen und gesellschaftliche Bedingungen ergänzen einander; aber es hängt von den gesellschaftlichen Bedingungen ab, daß die Menschen vom Antisemitismus nicht loskommen und ihn affektiv besetzen. An dem nach Auschwitz fortlebenden Antisemitismus läßt sich die fortwirkende Barbarei erkennen, an der Aufklärung ihre Grenzen erfährt.
Aufkläerung versprach einst, im 18. Jahrhundert, die Menschen aus ihren Grenzen herauszuführen, ihnen eine kosmopolitische Welt zu eröffnen. Judenhass galt damals als der Inbegriff finsteren Mittelalters, das man überwunden glaubte. Aufklärung koppelte sich an den Fortschrittsbegriff, und das europäische neunzehnte Jahrhundert wird geprägt durch die Vorstellung vom Verschwinden des Überholten. Aber der Judenhass verschwindet nicht im 19. Jahrhundert, er transformiert sich zum modernen Antisemitismus. Inhaltsleerer Fortschrittsglaube muß dazu herhalten, die Gegenwart des Antisemitismus aus dem Bewußtsein der Menschen fernzuhalten. Alltagsvorstellung vom Leben und wissenschaftliche Praxis decken sich in der falschen Überzeugung: Antisemitismus hat es gegeben, aber gibt es nicht mehr. Dieses moderne Durchschnittsbewußtsein identifiziert Judenhaß mit Antisemitismus oder unterscheidet bloß formal zwischen christlichem Mittelalter und säkularasierter Neuzeit.
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Max Horkheimer & Theodor W. Adorno – Elemente des Antisemitismus – Grenzen der Aufklärung http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/max-horkheimer-theodor-w-adorno-elemente-des-antisemitismus-grenzen-der-aufklaerung/ http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/max-horkheimer-theodor-w-adorno-elemente-des-antisemitismus-grenzen-der-aufklaerung/#comments Wed, 15 Aug 2007 11:50:27 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/08/15/max-horkheimer-theodor-w-adorno-elemente-des-antisemitismus-grenzen-der-aufklaerung/

Der Antisemitismus heute gilt den einen als Schicksalsfrage der Menschheit, den anderen als bloßer Vorwand. Für die Faschisten sind die Juden nicht eine Minorität, sondern die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches; von ihrer Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen. Dem entgegengesetzt ist die These, die Juden, frei von nationalen oder Rassemerkmalen, bildeten eine Gruppe durch religiöse Meinung und Tradition, durch nichts sonst. Jüdische Kennzeichen bezögen sich auf Ostjuden, jedenfalls bloß auf noch nicht ganz Assimilierte. Beide Doktrinen sind wahr und falsch zugleich.
Die erste ist wahr in dem Sinn, daß der Faschismus sie wahr gemacht hat. Die Juden sind heute die Gruppe, die praktisch wie theoretisch den Vernichtungswillen auf sich zieht, den die falsche gesellschaftliche Ordnung aus sich heraus produziert. Sie werden vom absolut Bösen als das absolut Böse gebrandmarkt. So sind sie in der Tat das auserwählte Volk. Während es der Herrschaft ökonomisch nicht mehr bedürfte, werden die Juden als deren absolutes Objekt bestimmt, mit dem bloß noch verfahren werden soll. Den Arbeitern, auf die es zuletzt freilich abgesehen ist, sagt es aus guten Gründen keiner ins Gesicht; die Neger will man dort halten, wo sie hingehören, von den Juden aber soll die Erde gereinigt werden, und im Herzen aller prospektiven Faschisten aller Länder findet der Ruf, sie wie Ungeziefer zu vertilgen, Widerhall. Im Bild des Juden, das die Völkischen vor der Welt aufrichten, drucken sie ihr eigenes Wesen aus. Ihr Gelüste ist ausschließlicher Besitz, Aneignung, Macht ohne Grenzen, um jeden Preis. Den Juden, mit dieser ihrer Schuld beladen, als Herrscher verhöhnt, schlagen sie ans Kreuz, endlos das Opfer wiederholend, an dessen Kraft sie nicht glauben können.
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Christian Fuchs – Die IdiotInnen des Kapitals http://copyand.blogsport.de/2007/08/12/christian-fuchs-die-idiotinnen-des-kapitals/ http://copyand.blogsport.de/2007/08/12/christian-fuchs-die-idiotinnen-des-kapitals/#comments Sun, 12 Aug 2007 14:37:51 +0000 copyand Texte http://copyand.blogsport.de/2007/08/12/christian-fuchs-die-idiotinnen-des-kapitals/ „Freie“ Softwareproduktion – Antizipation des Postkapitalismus?

1985 wurde die Free Software Foundation (FSF) gegründet, die die Diffusion „freier“ Software propagiert. Darunter versteht sie Software, die von jedem verwendet, kopiert und weiterverbreitet werden darf, entweder im Original oder modifiziert. Wesentlich dabei ist, daß der Quelltext der Software offengelegt wird und bei jeder Weitervertreibung (auch nach Modifikationen) diese Bedingung erhalten bleiben muß.
Für die FSF bedeutet die Kategorie der Freiheit (freedom) nicht, daß „freie“ Software gratis vertrieben werden muß, sondern daß ihr Quellcode veröffentlicht werden muß. Die FSF propagiert die Weiterentwicklung des „freien“ Betriebssystems GNU/Linux. Dazu gibt es ein spezielles Lizenzabkommen, die GPL (General Public License), der alle WeiterentwicklerInnen zustimmen müssen und die auch für alle Weiterentwicklungen gelten muß. Mit dieser Lizenz wird festgehalten, daß es sich bei den entwickelten Programmen um „freie“ Software handelt. Dabei ist auch der Begriff des Copylefts von wesentlicher Bedeutung, denn die GPL legt fest, daß jede Kopie und jede Modifikation/Weiterentwicklung einer unter der GPL erstellten „freien“ Software dieselben Bedingungen erfüllen muß, also der Sourcecode frei zugänglich und modifizierbar gemacht werden muß.
Es gibt auch „freie“ Software, die keinem Copyleft unterliegt. D.h. dann, daß Kopien oder Modifikationen dieser Software unter Umständen auch für einen Verkauf ohne Veröffentlichung des Sourcecodes verwendet werden kann. Richard Stallman, der Oberguru der FSF, spricht z.B. in Bezug auf GNU Ada von einer „kommerziellen freien Software“. Ein Oxymoron, denn kapitalistische Verwertung und Freiheit sind nun mal nicht vereinbar. Nichts am Konsum und an der Ware ist freiheitlich, die einzige „Freiheit“ der Menschen in der Warengesellschaft ist die „freie“ Auswahl zwischen einem diversifizierten Produktspektrum. Und dies stellt den totalitären Aspekt des Marktes dar. Genauso verhält es sich, wenn Stallman einen Aufsatz mit „Selling Free Software“ betitelt.
„Freie“ Softwareentwicklung und GNU/ Linux werden im deutschen Sprachraum vor allem von einer Gruppe um den Betreiber der Homepage Kritische Informatik Stefan Meretz und den Administrator der Mailingliste Ökonux (steht für Ökonomie und Linux) Stefan Merten als Antizipation postkapitalistischer gesellschaftlicher Verhältnisse begriffen. So spricht Meretz in „LINUX & CO. Freie Software – Ideen für eine andere Gesellschaft“ (2000) z.B. vom „antikapitalistischen Gehalt Freier Software“.
Inwiefern ist nun eine Software, die mit einer speziellen Lizenz, die auf Veröffentlichung und Nutzung des Quellcodes basiert, tatsächlich als antikapitalistisch zu betrachten?
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